Mittwoch, 18. Dezember 2013

Litchfield National Park

Auf dem Rückweg vom Kakadu National Park nach Darwin haben wir den viel kleineren Litchfield National Park besucht. Aber hier führen die Wasserfälle das ganze Jahr Wasser, das Gestein wirkt hier offenbar so wie eine Art Schwamm und speichert das Wasser – im Gegensatz zu Kakadu, wo die Fälle saisonal bedingt austrocknen oder nur als kleine Rinnsale sichtbar sind. Natürlich wären die Fluten, die hier herunterstürzen, mitten in der Monsunsaison viel grösser als zur Zeit unseres Besuchs, am Ende der Trockenzeit anfangs Oktober.
Zuerst besichtigen wir verschiedene Termitenhügel, sie prägen hier im Norden die Landschaft. Gewisse Arten der oft mit Ameisen verwechselten Insekten leben ebenfalls in Staaten. Die Bauten der Riesentermiten wirken wie Dome (mit einem Einschlag von Gaudìs Sagrada Familia), weit grösser als ich. Die hohen Türme haben einen Kamineffekt und kühlen die Nester.
Die Magnettermiten dagegen richten ihre Hügel, die eher wie Grabsteine aussehen, alle in der gleichen Richtung aus. Da sie blind sind, orientieren sie sich offenbar am Magnetfeld der Erde.

Der erste Wasserfall, Florence Falls, liegt in einem kleinen Tal. Wunderbar bei den tropisch feucht-heissen Temperaturen das Bad im Teich an seinem Fuss, und wir können hier tatsächlich unter den Wasserfall schwimmen und uns die Fluten auf den Kopf prasseln lassen.
Auf dem Rückweg nehmen wir die längere Route einem Bach entlang. Fledermäuse hängen hier massenweise in den Bäume, und ich sehe, dass ein paar von ihnen von einem Raubvogel attakiert werden. Riesige Spinnen hängen in ihren Nestern zwischen tropischen Farnen und Palmen.
Der zweite Wasserfall, Wangi Falls (wenn ich mich richtig erinnere, die Namen sind leicht verwechselt) ist einfacher erreichbar und wohl deshalb stärker besucht. Hier stört nur ein Presslufthammer die Ruhe, am Weg für die Besucher muss hier etwas repariert werden. Doch wenn ich genug weit herausschwimme im Teich, der hier etwas grösser ist, höre ich nichts mehr von diesem Lärm.








































Hügel der Riesentermiten































Hügel der Magnettermiten




Florence Falls































Wangi Falls

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Kata Tjuta und Watarrka

Die Kata Tjutas, von den Europäern auch Olgas genannt, sind schon von Uluru aus sichtbar. Die Fahrt zu den sechsunddreissig Felshügeln dauert dann doch eine halbe Stunde, in der topfebenen (Halb-)wüste sind Erhebungen meilenweit zu sehen. Hier haben wir den walk durch das Valley of the Winds, ganz im Westen der Hügelkette, gemacht.
Als Wanderung ist diese Route anspruchsvoller als der Rundweg um Uluru. Es geht hinauf und hinunter, oft folgen wir nur Wegspuren über Geröll, und der Pfad führt durch Schluchten und über Pässe, wobei einige der Felsformationen von ganz nahe zu sehen sind. Stellenweise wird der Weg wieder flacher und der Blick öffnet sich über die nächsten Wellen aus Stein. Die beiden Wasserstellen sind wichtig, auch am Morgen ist die Hitze schon recht gross und ich bin froh, dass ich meine Flasche hier wieder auffüllen kann.

Watarrka, auch Kings Canyon genannt, liegt ein paar Stunden Fahrt nördlich von Uluru (wobei die Strasse einen grossen Umweg macht, die direkte Route ist durch den Salzsee Lake Amadeus versperrt) und südlich von Alice Springs. Wir wanderten hier der Krete entlang rund um den Canyon. Ähnlich wie Uluru war auch Watarrka ein wichtiger Ort für die Aborigines. Ein Hauptgrund ist sicher die vielfältige Vegetation rund um die Schlucht.
Wir trampen hier sozusagen durch die Küche der Einheimischen, und unser Führer zeigt uns all die essbaren Pflanzen und Früchte, die sich hier finden. Wir sehen auch die berühmten Ghost Gum Trees mit ihren schneeweissen Stämmen. Der australische Maler Albert Namatjira, ein Aborigines, hat die Landschaft hier oft in seinen Bildern dargestellt. Man dachte oft, er verfremde die Farben, ähnlich wie zum Beispiel die Maler des Blauen Reiters in Europa. Später, in Alice Springs, habe ich in einer Buchhandlung die Gelegenheit, ein Buch mit seinen Bildern zu sehen: es ist erstaunlich, wie realistisch er die Bäume und Sträucher am Rande von Kings Canyon wiedergegeben hat.
Am oberen Ende steigen wir in die Schlucht hinunter, grosse Felsen versperren den direkten Weg von unten, und ruhen uns an einem kleinen See aus, umrundet von Palmen, Farnen und weiteren tropischen Pflanzen. Die Stelle heisst "The Garden of Eden", kein Engel mit Flammenschwert vertreibt uns, aber nach einer Weile zieht es uns doch zurück in die Kultur mit ihren klimatisierten Häusern.































Kata Tjutas: eine der Engstellen im Valley of the Winds































Kata Tjutas: Hügel...































Kata Tjutas: ... um Hügel...































Kata Tjutas: ... um Hügel: sind's wirklich sechsundreissig?































Watarrka: ein Ghost Gum Tree































Watarrka: ein typisches Bild vom Rand der Schlucht































Watarrka: die Wände des Canyons sind zum Teil wie mit dem Messer geschnitten































Watarrka, the Garden of Eden: die einzige Aufnahme, wo man ein bisschen etwas sieht
Das Grün ist stellenweise noch viel dichter, aber die grossen Hell-Dunkel-Kontraste und die Reflexion auf dem Wasser machen das Photographieren schwierig

Montag, 9. Dezember 2013

Ned Kelly

Ned Kelly ist ein australischer Bushranger aus dem neunzehnten Jahrhundert, der die Leute hier auch heute noch beschäftigt. Einige sehen ihn als eine Art Robin Hood-Figur, andere betonen seine Verbrechen. Ned machte das ländliche Victoria, die Gegend nördlich von Melbourne unsicher. Die australischen Kleinstädte, auch in New South Wales und in South Australia, haben oft etwas Verschlafenes, die Zeit ist dort stehengeblieben – in den fünfziger Jahren, nur manchmal ist nicht klar, ob  1850  oder  1950. Manchmal hat es noch einen Bahnhof, wo schon lange keine Züge ankommen. Sonst nichts ausser einer Kirche und ein paar Pubs, wo die Leute darauf warten, dass etwas geschieht – und ein paar von ihnen wären nicht unglücklich, wenn ein neuer Ned Kelly in ihr Städchen reiten würde.
Ned war ein Pferde- und Viehdieb, manchmal hat man ihn und seine Gang wohl auch beschuldigt, obwohl sie nichts mit dem Verschwinden der Tiere zu tun hatten, später hat er auch ein paar Banken überfallen, je kleiner die Ortschaft, wo sie waren, desto besser. Umgebracht hat er bei den Überfällen niemanden, die Opfer kamen mit dem Schrecken (und mit erleichterten Kassen) davon.
Die Polizei war immer auf seinen Fersen, und die Polizisten haben sich dabei zum Teil mehr als ungeschickt angestellt und nicht gemerkt, dass die "Verfolgten" ganz in der Nähe waren und sie zum Teil in eine Falle lockten. Dabei kam es auch zu Schiessereien mit Todesopfern.
Ned bastelte sich eine Rüstung mit Helm, die seinen Kopf und Körper schützte. Bei der grossen Schiesserei am Schluss seiner "Karriere", mit anschliessendem Hotelbrand, nützte ihm seine Rüstung aber nur teilweise, sie verhinderte, dass er tödlich getroffen wurde, die Treffer in Arme und Beine führten aber schliesslich dazu, dass er kampfunfähig gefangen genommen wurde. Man transportierte ihn nach Melbourne, wo er durch den Strang hingerichtet wurde.
In der Nationalgalerie in Canberra befindet sich die Ned Kelly-Serie, gemalt vom australischen Maler Sydney Nolan. Anhand dieser in einem naiven Stil gemalten Bilder ist es leicht, die ganze Geschichte zu rekonstruieren: Ned reitet in seiner berühmten Rüstung aus, die Polizisten, die in verfolgten, stürzende Pferde, der letzte Prozess. Viele australische Schulkinder besuchen diesen Teil der Galerie (der Eintritt ist gratis für alle), und es ist erstaunlich, wie viel sie wissen über Ned Kelly: seine Wortwechsel mit dem Richter, seine letzten Worte vor der Hinrichtung ("Such is life").






























Einer dieser Bahnhöfe, wo der Zug schon lange nicht mehr durchkommt































Pub / Laden / Hotel irgendwo im Nirgendwo (es handelt sich zwar um ein Bild aus Südaustralien, aber es könnte ebenso gut eine Aufnahme aus Victoria / New South Wales sein)

Mittwoch, 20. November 2013

Opale und Kängurus

Coober Pedy, ein paar hundert Kilometer nördlich von Adelaide, ist heute die grösste Opalmine der Welt. Schon bei der Anreise sehen wir die Maulwurfshügel, die vom Abbau stammen. Am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts hat man hier Opale entdeckt, und Wasser, noch fast wichtiger für diese Ortschaft mitten in der Wüste. Die Halbedelsteine waren so perfekt, dass es eine Weile dauerte, bis sie in Europa und Amerika akzeptiert wurden – die Juweliere glaubten zuerst an Fälschungen, weil die Opale nicht dem Bild entsprachen, den sie, gewohnt an die Steine aus Osteuropa, hatten.
Noch jetzt zieht der Opalanbau jede Menge von Abenteurern an. Jeder "patch" ist nur klein, und wer mehrere von ihnen aufkauft, muss sich verpflichten, auf jedem von ihnen eine bestimmte Anzahl von Tagen am Abbau der Steine zu arbeiten. Das hat zur Folge, dass es keine grossen Opalkompanien gibt, die den Untergrund durchwühlen. Bohrmaschinen und die Maschinen zum Abtransport des tauben Gesteins – sie gleichen Riesenstaubsaugern – kann man mieten, und dann beginnt das Graben in der richtigen Richtung. Für den, der Glück hat, finden sich die Halbedelsteine dann in einer gewissen Tiefe. Sobald man auf eine Opalader trifft, versagen die Maschinen – die Weiterarbeit geschieht immer noch mit dem Pickel. In den Läden von Coober Pedy sehen wir Opale in allen Grössen und das Spiel ihrer Farben zeigt alle Töne der Palette.
Der grösste Teil von Coober Pedy ist unterirdisch, auch unser Hotel. Diese Wohnungen unter dem Boden liegen oft ganz in der Nähe der Minen – am Schluss der langen Arbeit unter Tag wurde ein weiterer Stollen zur Unterkunft gebaut. Im Laufe der Jahre wurden diese Wohnungen immer luxuriöser, und heute schützen sie gegen das unbarmherzige Klima der Stadt: heisse Tage ohne jeden Schatten (Bäume fehlen hier) – und kalte Nächte. Unter dem Boden bleibt die Temperatur konstant. Für mich ist der Schlaf in unserem unterirdischen Hotel nicht perfekt – zu gross die Stille, kein Ruf eines Vogels, keine Grille zirpt, und der Wechsel der Tageszeiten, vom Eindämmern am Abend bis zum Hellerwerden am Morgen, fehlt.
Hier besuchen wir auch das Kangaroo Sanctuary, wo sich ein Ehepaar um verwaiste Kängurus kümmert. Die roten Kängurus, die in Zentralaustralien leben, sind viel scheuer als die grauen Kängurus in Küstennähe. Wir haben vor ein paar Tagen das Glück gehabt, ein paar von ihnen zu sehen in vollem Lauf – oder Flug, möchte ich fast schreiben, ihre Sprünge sind so gross, dass es scheint, sie würden den Boden kaum berühren. Unsere Gruppe spendet eine Büchse Baby-Milchpulver (offenbar auch für Kängurus geeignet).
Hier erfahren wir viel über diese Tiere, die zusammen mit den Emus das australische Wappen tragen. Leider werden sie oft von Touristen gefüttert, obwohl sie die angebotenen Nahrungsmittel gar nicht vertragen. Schon eine Banane kann für sie tödlich sein. Die grösste Gefahr ist aber der Verkehr. Obwohl die Autos nicht sehr zahlreich sind (auf gewissen Strecken hat es pro Tag vielleicht ein Dutzend Fahrzeuge), kommt es immer wieder zu Kollisionen (wir sehen viel "roadkill" am Strassenrand). Sie hüpfen nämlich häufig einer Strasse entlang und ganz plötzlich und unerwartet überqueren sie sie. Oft hört man, das liege an der Dummheit der Tiere. Ich glaube, das stimmt nicht ganz, offenbar verwenden sie seit Generationen in Gefahr immer die gleichen Fluchtpfade, zu ihrem Unglück, wenn einer von ihnen eine Strasse überquert, die erst in den letzten Jahren entstanden ist.
Die "joeys", Jungkängurus im Beutel der Mutter, überleben dann oft und werden im Sanctuary mit der Flasche aufgezogen, wenn sie eine gewisse Grösse haben. Nach der Geburt sind sie ja nicht viel mehr als gummibärchengross. Ein paar Gramm mehr müssen sie dann schon haben für eine erfolgreiche Aufzucht. Wir sehen den Jungtieren bei ihren Sprüngen zu, noch sind sie unsicher auf den Beinen, und nach einer Weile verschwinden sie wieder in den Taschen, die als Beutelersatz dienen.






























Beim Füttern der Kängurus (nur mit dem hier gekauften, offiziell erlaubten Kängurufutter natürlich)






























Jungkänguru in Kängurutasche



Jungkänguru an der Flasche

Mittwoch, 13. November 2013

Uluru

Nach einer langen, langen Busfahrt von Coober Pedy nach Yulara, fast tausend Kilometer durch den Outback in das rote Herz Australiens, sehen wir endlich Uluru / Ayers Rock am Horizont. Mount Connor, der Berg, etwa zwei Stunden vorher, auch "Mount Fool-uru" genannt, weil viele Touristen ihn schon für Uluru halten, jedenfalls auf den ersten Blick, hat uns nicht genarrt – zu verschieden seine tischartige Form von den bekannten Bildern.
Am Sonnenuntergang am ersten Abend wäre ich der Masse von Uluru-Besuchern gerne entkommen, aber das Glas Champagner vor dem berühmten Panorama gehört zum Programm, die Mitreisenden verstehen schon nicht, warum ich den unzähligen Photo-Aufnahmen "X. vor Uluru" nicht noch eine weitere hinzufügen will. Der Reiseführer erinnert uns mehrmals daran, in regelmässigen Abständen Bilder vom Felsen zu schiessen, damit wir uns nachher vergewissern können, dass sich die Farben wirklich ändern. Ich nehme mir die Zeit, neben all dem Trubel auch hinzuschauen und kann den Wechsel der Töne schon jetzt sehen, nicht erst in den Aufnahmen.
Im Besucherzentrum finde ich in einem Interview mit einem der Aborigines eine Stelle, die meine Stimmung gut wiedergibt: Er wundert sich, dass sich die Besucher nur mit ihren Kameras beschäftigen, statt sich auf Uluru, ein wichtiger spiritueller Ort in der Tradition der lokalen Aborigines, einzulassen und etwas von seiner Kraft zu spüren.
Am übernächsten Morgen machen wir die Wanderung rund um Uluru (offenbar nehmen sich nur etwa ein Prozent der Besucher die Zeit dafür, die meisten kommen nur für den Sonnenuntergang und vielleicht für eine Fahrt um den "rock"). Ganz allein sind wir auch hier nicht, denn es ist empfehlenswert, loszugehen, bevor die Sonne am Mittag und Nachmittag unbarmherzig herunterbrennt. Aber die Leute verteilen sich auf dem Weg.
Am Anfang kommen wir an einer Stelle vorbei, wo sich im ausgehöhlten Felsen regelrechte Zimmer befinden: das Schulzimmer mit Ocker-Malereien, der Platz, wo die Alten gerne sassen. Ein wenig später führt der Weg in eine Schlucht im Felsen und ganz hinten eine Stelle mit Wasser, das ganze Jahr über, eine kleine Oase. Überlebenswichtig früher in dieser trockenen Gegend. Auf der gegenüberliegenden Seite hat es eine zweite Wasserstelle, und hier ist es ganz still, die meisten Besucher sparen sich diesen Umweg.
In den Stunden auf dem Weg um den Felsen wird die Sicht auf Uluru nie langweilig. Stellenweise sind abenteuerliche Erosionsformen zu sehen, dann sind die Wände wieder ganz glatt. Oft gehören auch Geschichten zu den Formationen, an einer Stelle trafen zum Beispiel die Speere ein Ungeheuer, das die Aborigines angriff. Und manchmal gleicht der ganze Berg einem grossen, schlafenden Tier, einem Elefanten vielleicht mit einer Haut aus Sandstein.
Es ist erstaunlich, wie viel Grün hier zu finden ist. Hier im Zentrum hat es generell mehr Vegetation als weiter südlich. Aber im Allgemeinen sind die Bäume zundertrocken und uralt (bis ihre Wurzeln in der Tiefe Wasser finden, braucht es Jahrzehnte). Die Landschaft am Fusse von Uluru gleicht stellenweise einem Garten, der Schatten des Felsens schützt offenbar vor der schlimmsten Austrocknung.
Der Aufstieg auf den Uluru ist nicht möglich wegen heftigen Winden auf dem Gipfel. Am Tag vorher haben wir die Kletterer im Gänsemarsch aufsteigen sehen, also attraktiv sah das nicht aus. Es ist ja sowieso etwas zwiespältig: Ausdrücklich verboten ist der Marsch auf Uluru eigentlich nicht, aber man erwartet eigentlich, dass die Besucher darauf verzichten... (es ist offenbar auch nicht ganz ungefährlich).
Nicht das einzige Paradox hier in der Gegend: es ist erwünscht, dass die Aborigines-Bezeichnung Uluru verwendet wird, nicht mehr den Namen, den die ersten Kolonisatoren dem Felsen gaben, Ayers Rock. Aber in Yulara, der Ortschaft in der Nähe, heisst ein Teil immer noch "Ayers Rock Resort", ohne jeden Hinweis auf den zweiten Namen.
Viel ist darüber geschrieben worden, wieso Uluru eine so grosse Anziehung auf die Touristen ausübt. Ein Grund ist sicher, dass es "the rock" ist, die platonische Idee eines Felsens in der Wüste. Für mich sind die Erosionsspuren ein wichtiger Teil der Faszination: Uluru wird noch in der Wüste stehen, wenn wir lange verschwunden sind, aber in den Jahrmillionen schleifen Wind und Wetter auch ihn ab und lassen ihn verschwinden. Ein bisschen wie in dem Märchen mit dem grossen Berg und dem Vögelchen, das alle hundert Jahre seinen Schnabel daran wetzt: Eines Tages ist der Berg ganz abgetragen, und dann ist die erste Sekunde der Ewigkeit vorbei.






























Uluru – der Wechsel der Farben bei Sonnenuntergang: von ocker...






























...zu rot.































Uluru: Spuren der Erosion








































Eine der glatten Wände von Uluru































Wasserstelle am Fusse von Uluru



Uluru: Sonnenaufgang

Dienstag, 5. November 2013

Sportarten

Hier in Australien probiere ich ab und zu etwas Neues aus, und inzwischen haben sich eine Handvoll Sportarten angesammelt, die ich hier unten kennengelernt habe.
Sandboarden: im April auf Kangaroo Island (in der Nähe von Adelaide) sind wir auch an einer Dünenlandschaft namens "Little Sahara" vorbeigekommen – die Tourorganisatorin hatte ein paar Sandboards dabei. Nur jemand schaffte es, den Abhang wie auf einem Snowboard hinunterzusurfen – der Widerstand des Sandes ist viel grösser als der von Schnee und es ist gar nicht so einfach, auch an den steilen Stellen, die Bretter in Bewegung zu bringen. Vielleicht war es auch zu feucht, die kleinen Boards funktionierten jedenfalls überhaupt nicht und auf den grossen hatten wir am meisten Erfolg, wenn wir auf ihnen sassen wie auf einem Schlitten. Als "Wachs" verwendeten wir Möbelpolitur, ich hoffe, es gibt in dieser Gegend keine ökologischen Spätschäden wegen all den Sandboardern, die den selben Trick benutzen. Ich war der einzige, der das Board auch auf dem Bauch liegend brauchte, ziemlich abenteuerlich, jedes Sandhügelchen erscheint aus dieser Perspektive wie ein riesiger Berg, vor allem, wenn ich auf Kollisionskurs war. Ich glaube, ohne einen Mund voll Sand in Kauf zu nehmen, ist diese Sportart nicht praktizierbar.
Sea-Kayaking: im Juli bei Cape Tribulation machte ich einen halbtägigen Kayak-Ausflug. Am Anfang schien alles ganz einfach, ich musste nur die Balance halten im Boot, und mit den Rudern brauchte es auch ein bisschen Ausprobieren, um sie effizienter einzusetzen. Schwierig wurde es erst, als wir das Kap umquert hatten und gegen den Wind, die Wellen und die Strömung ankämpfen mussten. Irgendeine der Wellen brachte mich aus dem Gleichgewicht, und ich kenterte. Mit Hilfe des Ausflug-leiters schaffte ich es mit Müh und Not wieder in mein Kayak, und für die restliche Strecke nahm er mich ins Schlepptau. (Nachher sagte er, er mache kaum einen Ausflug, wo er die Schleppleine nicht brauche.) Schön nachher die Bucht, in der wir landeten: mit dem Boot schafft man es auch an Orte, die zu Fuss nur schwer erreichbar wären (und motorisiert schon gar nicht). Auf dem Rückweg verbanden wir die Boote und der Tour-leiter setzte ein kleines Segel: erstaunlich, wie schnell wir zurück waren, ohne die Ruder benutzen zu müssen.
Surfen: auch im Juli, in Noosa, besuchte ich eine Kurzeinführung in diese in Australien so beliebte Sportart. Die Organisation war nicht ideal, zu viele Schülerinnen und Schüler hatte unser Surflehrer zu betreuen. Nur einmal hatte ich an diesem Nachmittag das Gefühl, auf dem Brett liegend eine Welle zu reiten, aber dann hätte ich aufstehen sollen, und was an Land, bei der Trockensurf-übung, wunderbar funktionierte, schaffte ich, auf dem schwankenden Brett, natürlich nicht. Was ich gerne gelernt hätte: worauf man achten muss bei der Auswahl der Welle, den richtigen Punkt zu erwischen. Jetzt war ich auf den Surflehrer angewiesen, der ab und zu vorbeikam und mich auf eine Welle setzte (er hatte aber noch viele andere zu betreuen). Die richtige Position auf dem Brett, auch im Liegen schon wichtig: da merkte ich schnell einmal durch "trial and error", was funktionierte und was nicht. Beim Warten fragte ich mich schon ab und zu, wieso ich dieses grosse Brett unter dem Arm hatte, mit einer Sicherheitsleine mit meinem Bein verbunden. Ich glaube, ich hätte die Wellen im Schwimmen mehr genossen...
City to Surf: jeden August rennen oder gehen fast zehntausend Leute in Sydney die Strecke vom Zentrum der Stadt zum Bondi Beach (14 km). Ich war in der "Rexona group", die am Schluss startet, also wer wirklich rennen will, muss versuchen, in eine der vorderen Gruppen zu kommen. So war das Ganze ein zügiges Gehen, nach zwei Stunden war ich im Ziel. (Das einzige, was nicht funktionierte, war die persönliche Zeitmessung, trotz Chip in der Startnummer.) Der Anlass ist auch ein "charity event", viele Teilnehmer sammeln für einen guten Zweck, und so waren Läufer in den verschiedensten "onesies" (einteilige Anzüge) zu sehen, zum Beispiel als Bären verkleidet, bei den frühlingshaften Temperaturen ziemlich schweisstreibend (so kam der Sponsor unserer Gruppe, Rexona, trotz dem gemütlichen Tempo doch noch zum Einsatz). Und in einer kurzen Laufpause war es auch möglich, bei einem Karaoke-Auftritt ein bisschen zu verschnaufen.





























Der Surfstrand in Noosa





























Bondi Beach an einem ruhigen Sonntagmorgen (am City to Surf sind etwas mehr Leute in der Bucht)

Dienstag, 29. Oktober 2013

Outback

Auf meiner Reise von Adelaide an der Küste Südaustraliens nach Darwin in den Northern Territories sind wir tagelang durch den Outback gereist.
Nördlich von Adelaide ist die Landschaft noch grün, wir durchqueren Claire Valley, ein Weingebiet nicht ganz so berühmt wie das nahegelegene Barossa. Später, nördlich von den Flinders Ranges, beginnt der Outback. Weite Teile davon sind wüstenartig. Wir übernachten zum Beispiel in einer Schaf-"station", Beltana, die konfortabelste Unterkunft auf der ganzen Reise. Die Farm ist ungefähr so gross wie der Kanton Zürich, deshalb ist es kein Wunder, dass wir von den Schafen und Kühen (etwa 8500 Stück) nichts sehen. Sie suchen schattigere Plätze, nicht unbedingt an den Strassen, lieber in der Nähe von einer der Wasserstellen.
Wir fragen, wie denn das Leben in dieser abgelegenen Gegend so aussieht. Nichts von abgelegen, sagt die Besitzerin, praktisch jeden Tag reisen Leute durch,  übernachten hier und erzählen von anderen Gegenden. Die Farm ist sehr aufwändig, schon nur die Tiere zu finden, ist oft nicht ganz einfach, und am Nachmittag ist im Sommer die Hitze zu gross für Arbeiten ausserhalb des Schattens, deshalb beginnt der Arbeitstag schon am frühen Morgen. Wunderbar das Abendessen auf Beltana, Schafsbraten vom Barbecue, schön der Sternenhimmel, kein Restlicht einer Stadt stört die Sicht auf die Milchstrasse, und ruhig die Nacht, kein Verkehr zu dieser Zeit.
Am nächsten Tag besichtigen wir einen Ockersteinbruch. Hier finden sich die verschiedensten Ockertöne, und die Aborigines sind früher von weit her hierhin gekommen, Ocker war wichtig für die Körperbemalung in verschiedenen Zeremonien und für die "rock art".
Später fahren wir am Südufer von Lake Eyre vorbei. Es ist der grösste der zahlreichen Salzseen im Innern Australiens, endlos erstreckt sich die weisse Fläche, und hier wurden in den sechziger Jahren die  Geschwindigkeits-rekorde von Landfahrzeugen gebrochen. Alle paar Jahre füllt er sich mit Wasser.
Inmitten der Wüste eine Quelle, ein halbes Dutzend Leute haben in diesem natürlichen Whirlpool Platz.
Riesige Süsswasser-vorkommen befinden sich in der östlichen Hälfte Australiens unter dem Boden. An einigen Stellen so nahe, dass sie leicht angebohrt werden können, und dann sprudelt das Wasser für Jahrzehnte.
Die nächste Nacht verbringen wir in Williams Creek, hier hat es nur ein halbes Dutzend ständige Einwohner. Ich hoffe, sie geraten nicht in Streit, es wäre schrecklich, wenn zum Beispiel zwei davon nicht mehr miteinander sprechen.
Die Strassen: der Highway ist komfortabel, aber sobald man ihn verlässt, kann es unbequem werden. Oft sind die Nebenpisten ungeteert. Alles ist gut, wenn sie in den letzten Monaten einmal präpariert wurden, aber stellenweise ist die Fahrt im Bus über die Wellbrettpisten doch sehr holprig, vor allem bei unerwarteten Löchern (deshalb der Name Schlaglöcher).
Mitten in der Wüste besuchen wir den Künstler Talk-Alf in seiner "Oase". Er arbeitet mit Talk oder Speckstein, und er zeigt uns auch, wie der weiche Stein zu Talkumpuder zerrieben werden kann. Alfs Name ist doppelsinnig, "he loves to talk". Viele seiner Steinskulpturen enthalten gemeisselte Buchstaben, und er interpretiert die Lettern des Alphabeths auf seine Weise. A für Adam, dem Mann. breitbeinig steht er in der Gegend. B für die Frau (wegen der Busenform), und so weiter durch das ganze ABC. Die Sonne ist ein O, eine Person, die die Sonne betrachtet ein P. Die Bahn der Sonne vom Horizont, wo sie aufgeht, zum entgegengesetzten Horizont, wo sie untergeht, ein S (und erst auf der Weiterfahrt im Bus frage ich mich, wieso sie dabei zweimal die Richtung ändert). Deshalb das Dollarzeichen (wieso das S durchgestrichen ist, kann ich nicht mehr rekonstruieren). W steht für Wellen und Wasser, wie zum Beispiel im englischen Wort "well" für Brunnen. "Welcome" (oder wel-kom, wie Alf es schreibt) ist zusammengesetzt aus "well" und "kom": K ist jemand, der die Sonne (O) anbetet, M sind die Berge im Hintergrund (zwei Gipfel). Wir sind nicht alle sechsundzwanzig Buchstaben durchgegangen, aber Alfs Philosophie ist ansteckend, und ich glaube, ich könnte die fehlenden Zeichen ergänzen (vor allem nach ein paar Stunden an der Sonne). Wir belächeln den Künstler ein wenig auf der Weiterfahrt, nach Jahren allein in der Wüste hat er sich seine eigene Welt erschaffen. Aber vielleicht bin ich manchmal auch ein kleiner Talk-Alf, kreiere einen Sinn, wo ich keinen sehe, und lege mir eine Geschichte zurecht.





























Morgenstimmung in Beltana Station






























Ockersteinbruch














Outback, Lake Eyre im Hintergrund