Dienstag, 5. November 2013

Sportarten

Hier in Australien probiere ich ab und zu etwas Neues aus, und inzwischen haben sich eine Handvoll Sportarten angesammelt, die ich hier unten kennengelernt habe.
Sandboarden: im April auf Kangaroo Island (in der Nähe von Adelaide) sind wir auch an einer Dünenlandschaft namens "Little Sahara" vorbeigekommen – die Tourorganisatorin hatte ein paar Sandboards dabei. Nur jemand schaffte es, den Abhang wie auf einem Snowboard hinunterzusurfen – der Widerstand des Sandes ist viel grösser als der von Schnee und es ist gar nicht so einfach, auch an den steilen Stellen, die Bretter in Bewegung zu bringen. Vielleicht war es auch zu feucht, die kleinen Boards funktionierten jedenfalls überhaupt nicht und auf den grossen hatten wir am meisten Erfolg, wenn wir auf ihnen sassen wie auf einem Schlitten. Als "Wachs" verwendeten wir Möbelpolitur, ich hoffe, es gibt in dieser Gegend keine ökologischen Spätschäden wegen all den Sandboardern, die den selben Trick benutzen. Ich war der einzige, der das Board auch auf dem Bauch liegend brauchte, ziemlich abenteuerlich, jedes Sandhügelchen erscheint aus dieser Perspektive wie ein riesiger Berg, vor allem, wenn ich auf Kollisionskurs war. Ich glaube, ohne einen Mund voll Sand in Kauf zu nehmen, ist diese Sportart nicht praktizierbar.
Sea-Kayaking: im Juli bei Cape Tribulation machte ich einen halbtägigen Kayak-Ausflug. Am Anfang schien alles ganz einfach, ich musste nur die Balance halten im Boot, und mit den Rudern brauchte es auch ein bisschen Ausprobieren, um sie effizienter einzusetzen. Schwierig wurde es erst, als wir das Kap umquert hatten und gegen den Wind, die Wellen und die Strömung ankämpfen mussten. Irgendeine der Wellen brachte mich aus dem Gleichgewicht, und ich kenterte. Mit Hilfe des Ausflug-leiters schaffte ich es mit Müh und Not wieder in mein Kayak, und für die restliche Strecke nahm er mich ins Schlepptau. (Nachher sagte er, er mache kaum einen Ausflug, wo er die Schleppleine nicht brauche.) Schön nachher die Bucht, in der wir landeten: mit dem Boot schafft man es auch an Orte, die zu Fuss nur schwer erreichbar wären (und motorisiert schon gar nicht). Auf dem Rückweg verbanden wir die Boote und der Tour-leiter setzte ein kleines Segel: erstaunlich, wie schnell wir zurück waren, ohne die Ruder benutzen zu müssen.
Surfen: auch im Juli, in Noosa, besuchte ich eine Kurzeinführung in diese in Australien so beliebte Sportart. Die Organisation war nicht ideal, zu viele Schülerinnen und Schüler hatte unser Surflehrer zu betreuen. Nur einmal hatte ich an diesem Nachmittag das Gefühl, auf dem Brett liegend eine Welle zu reiten, aber dann hätte ich aufstehen sollen, und was an Land, bei der Trockensurf-übung, wunderbar funktionierte, schaffte ich, auf dem schwankenden Brett, natürlich nicht. Was ich gerne gelernt hätte: worauf man achten muss bei der Auswahl der Welle, den richtigen Punkt zu erwischen. Jetzt war ich auf den Surflehrer angewiesen, der ab und zu vorbeikam und mich auf eine Welle setzte (er hatte aber noch viele andere zu betreuen). Die richtige Position auf dem Brett, auch im Liegen schon wichtig: da merkte ich schnell einmal durch "trial and error", was funktionierte und was nicht. Beim Warten fragte ich mich schon ab und zu, wieso ich dieses grosse Brett unter dem Arm hatte, mit einer Sicherheitsleine mit meinem Bein verbunden. Ich glaube, ich hätte die Wellen im Schwimmen mehr genossen...
City to Surf: jeden August rennen oder gehen fast zehntausend Leute in Sydney die Strecke vom Zentrum der Stadt zum Bondi Beach (14 km). Ich war in der "Rexona group", die am Schluss startet, also wer wirklich rennen will, muss versuchen, in eine der vorderen Gruppen zu kommen. So war das Ganze ein zügiges Gehen, nach zwei Stunden war ich im Ziel. (Das einzige, was nicht funktionierte, war die persönliche Zeitmessung, trotz Chip in der Startnummer.) Der Anlass ist auch ein "charity event", viele Teilnehmer sammeln für einen guten Zweck, und so waren Läufer in den verschiedensten "onesies" (einteilige Anzüge) zu sehen, zum Beispiel als Bären verkleidet, bei den frühlingshaften Temperaturen ziemlich schweisstreibend (so kam der Sponsor unserer Gruppe, Rexona, trotz dem gemütlichen Tempo doch noch zum Einsatz). Und in einer kurzen Laufpause war es auch möglich, bei einem Karaoke-Auftritt ein bisschen zu verschnaufen.





























Der Surfstrand in Noosa





























Bondi Beach an einem ruhigen Sonntagmorgen (am City to Surf sind etwas mehr Leute in der Bucht)

Dienstag, 29. Oktober 2013

Outback

Auf meiner Reise von Adelaide an der Küste Südaustraliens nach Darwin in den Northern Territories sind wir tagelang durch den Outback gereist.
Nördlich von Adelaide ist die Landschaft noch grün, wir durchqueren Claire Valley, ein Weingebiet nicht ganz so berühmt wie das nahegelegene Barossa. Später, nördlich von den Flinders Ranges, beginnt der Outback. Weite Teile davon sind wüstenartig. Wir übernachten zum Beispiel in einer Schaf-"station", Beltana, die konfortabelste Unterkunft auf der ganzen Reise. Die Farm ist ungefähr so gross wie der Kanton Zürich, deshalb ist es kein Wunder, dass wir von den Schafen und Kühen (etwa 8500 Stück) nichts sehen. Sie suchen schattigere Plätze, nicht unbedingt an den Strassen, lieber in der Nähe von einer der Wasserstellen.
Wir fragen, wie denn das Leben in dieser abgelegenen Gegend so aussieht. Nichts von abgelegen, sagt die Besitzerin, praktisch jeden Tag reisen Leute durch,  übernachten hier und erzählen von anderen Gegenden. Die Farm ist sehr aufwändig, schon nur die Tiere zu finden, ist oft nicht ganz einfach, und am Nachmittag ist im Sommer die Hitze zu gross für Arbeiten ausserhalb des Schattens, deshalb beginnt der Arbeitstag schon am frühen Morgen. Wunderbar das Abendessen auf Beltana, Schafsbraten vom Barbecue, schön der Sternenhimmel, kein Restlicht einer Stadt stört die Sicht auf die Milchstrasse, und ruhig die Nacht, kein Verkehr zu dieser Zeit.
Am nächsten Tag besichtigen wir einen Ockersteinbruch. Hier finden sich die verschiedensten Ockertöne, und die Aborigines sind früher von weit her hierhin gekommen, Ocker war wichtig für die Körperbemalung in verschiedenen Zeremonien und für die "rock art".
Später fahren wir am Südufer von Lake Eyre vorbei. Es ist der grösste der zahlreichen Salzseen im Innern Australiens, endlos erstreckt sich die weisse Fläche, und hier wurden in den sechziger Jahren die  Geschwindigkeits-rekorde von Landfahrzeugen gebrochen. Alle paar Jahre füllt er sich mit Wasser.
Inmitten der Wüste eine Quelle, ein halbes Dutzend Leute haben in diesem natürlichen Whirlpool Platz.
Riesige Süsswasser-vorkommen befinden sich in der östlichen Hälfte Australiens unter dem Boden. An einigen Stellen so nahe, dass sie leicht angebohrt werden können, und dann sprudelt das Wasser für Jahrzehnte.
Die nächste Nacht verbringen wir in Williams Creek, hier hat es nur ein halbes Dutzend ständige Einwohner. Ich hoffe, sie geraten nicht in Streit, es wäre schrecklich, wenn zum Beispiel zwei davon nicht mehr miteinander sprechen.
Die Strassen: der Highway ist komfortabel, aber sobald man ihn verlässt, kann es unbequem werden. Oft sind die Nebenpisten ungeteert. Alles ist gut, wenn sie in den letzten Monaten einmal präpariert wurden, aber stellenweise ist die Fahrt im Bus über die Wellbrettpisten doch sehr holprig, vor allem bei unerwarteten Löchern (deshalb der Name Schlaglöcher).
Mitten in der Wüste besuchen wir den Künstler Talk-Alf in seiner "Oase". Er arbeitet mit Talk oder Speckstein, und er zeigt uns auch, wie der weiche Stein zu Talkumpuder zerrieben werden kann. Alfs Name ist doppelsinnig, "he loves to talk". Viele seiner Steinskulpturen enthalten gemeisselte Buchstaben, und er interpretiert die Lettern des Alphabeths auf seine Weise. A für Adam, dem Mann. breitbeinig steht er in der Gegend. B für die Frau (wegen der Busenform), und so weiter durch das ganze ABC. Die Sonne ist ein O, eine Person, die die Sonne betrachtet ein P. Die Bahn der Sonne vom Horizont, wo sie aufgeht, zum entgegengesetzten Horizont, wo sie untergeht, ein S (und erst auf der Weiterfahrt im Bus frage ich mich, wieso sie dabei zweimal die Richtung ändert). Deshalb das Dollarzeichen (wieso das S durchgestrichen ist, kann ich nicht mehr rekonstruieren). W steht für Wellen und Wasser, wie zum Beispiel im englischen Wort "well" für Brunnen. "Welcome" (oder wel-kom, wie Alf es schreibt) ist zusammengesetzt aus "well" und "kom": K ist jemand, der die Sonne (O) anbetet, M sind die Berge im Hintergrund (zwei Gipfel). Wir sind nicht alle sechsundzwanzig Buchstaben durchgegangen, aber Alfs Philosophie ist ansteckend, und ich glaube, ich könnte die fehlenden Zeichen ergänzen (vor allem nach ein paar Stunden an der Sonne). Wir belächeln den Künstler ein wenig auf der Weiterfahrt, nach Jahren allein in der Wüste hat er sich seine eigene Welt erschaffen. Aber vielleicht bin ich manchmal auch ein kleiner Talk-Alf, kreiere einen Sinn, wo ich keinen sehe, und lege mir eine Geschichte zurecht.





























Morgenstimmung in Beltana Station






























Ockersteinbruch














Outback, Lake Eyre im Hintergrund

Dienstag, 22. Oktober 2013

Buschbrände

In den letzten Tagen hat das Feuer in der Umgebung von Sydney gewütet.
Eindrücklich zum Beispiel am Donnerstagabend: der halbe Himmel war schwarz wie vor einem Gewitter, und die Sonne war nur noch als glutroter Ball zu sehen. Und der Rauchgeruch verdrängt im Moment die Düfte der blühenden Frühlingsbäume (die Jacarandas mit ihrem Lila-Blütenschaum und andere Sträucher und Bäume in den verschiedensten Farben dominieren jetzt im Oktober das Bild der suburbs).
Wenn man Sydney verlässt, zum Beispiel auf der Fahrt nach Canberra oder ins Hunter Valley im Norden, bleiben die Vororte zurück und der landwirtschaftliche Teil, und schnell ist links und rechts nur bush zu sehen. Kein rechter Wald, eher so ähnlich wie die Macchia im Süden Europas, zum Teil genauso undurchdringlich. Die ersten weissen Besiedler brauchten zum Beispiel jahrelang, um einen Weg zu finden durch die Blue Mountains im Westen von Sydney mit ihren weglosen Schluchten. Auch auf den anderen Seiten ist die Grossstadt Sydney von bush umgeben: Kuring-gai im Norden, der grosse Nationalpark im Süden. Und nur im Osten ist Meer. Sogar in Sydney selbst, mit seinen vier Millionen Einwohnern (auf einer Fläche, die einem Viertel der Schweiz entspricht) finden sich bush-Oasen: die perfekte Stadt für bushwalker. Vorletzten Freitag bin ich zum Beispiel von Chatswood in Richtung Süden nach Gladesville gewandert, dem Lane Cove River entlang (der Weg würde weiterführen bis zum Hafen). Stellenweise vergass ich, dass ich mitten in der Grossstadt war.
Ein grosser Vorteil, das viele Grün, aber nach einem trockenen Winter und bei viel zu warmen Frühlingstemperaturen (über dreissig Grad) und bei stürmischen Winden auch ein Nachteil: ein Funken genügt, eine weggeworfene Zigarette, und Hektaren um Hektaren brennen. Das Feuer springt dann auch über Strassen und Häuser fallen ihm ebenfalls zum Opfer. In den Zeitungen die Diskussionen: wurde zu nahe am bush gebaut? Oder zu billig, mit gewissem Aufwand wäre es offenbar möglich, so zu bauen, dass die Häuser dem Feuer länger widerstehen? Genügen die Löschfahrzeuge und Helikopter oder hat man da am falschen Ort gespart?
In Kakadu, im Nationalpark im Norden Australiens, den ich im Oktober besuchte, folgt man der jahrtausendalten Technik der Aborigines mit ihren controlled fires. Beim Eindunkeln sahen wir die Feuerstrassen, die sich die Hügel emporschlängelten. Dabei werden genaue Regeln befolgt: kein Feuer, wenn der Wind zu stark ist, Schneisen, die verhindern, dass die Brände ausser Kontolle geraten. Alles nach dem Motto: Lieber viele kleine Brände als ein grosser. Die Folge: kaum Unterholz in den Parkwäldern. Die grossen Bäume sind feuerfest. Zum Teil brauchen die Pflanzen sogar das Feuer, damit ihre Samen überhaupt keimen können.
Hier im Südosten brennen gerade die grössten Bäume am besten. Dennoch versucht man in den letzten Jahren, mit kontrollierten Bränden die verheerenden Grossfeuer zu vermeiden. Es fehlt noch die Erfahrung, und in Einzelfällen hat man die Kontrolle über einen gelegten Brand verloren.

Heute hat es ein bisschen genieselt, das hilft, das Feuer einzudämmen, aber was es jetzt brauchen würde, sind ein paar Regentage.

Sonntag, 13. Oktober 2013

Ubirr

Ubirr liegt im Kakadu-Nationalpark in der Gegend von Darwin im Norden Australiens. Wir haben es auf meiner "Frühlings"-Reise besucht. Die Temperaturen waren tropisch, in dieser Gegend kann man nicht von den vertrauten Jahreszeiten sprechen, bald beginnen hier oben die feuchten Monate der Regenzeit mit Monsun.
In Ubirr sind die Rock-Art-Bilder der Aborigines besonders zahlreich und eindrücklich. Unter überhängenden Felsen, von der Witterung geschützt, wurde hier seit über vierzigtausend Jahre gemalt, wobei die meisten Bilder jünger sind, wohl um die zweitausend Jahre alt. Es beginnt in realistischem Stil, später wurden dann die zwei Phasen des Röntgenstils verwendet, Fische zum Beispiel wurden zuerst mit ihren Gräten dargestellt, danach sieht man auch Bilder, wo das Innenleben der dargestellten Tiere nicht mehr wahrheitsgetreu ist, sondern der Verzierung dient. Der letzte Stil ist die "contact art", wo die ersten Kolonisatoren abgebildet sind, meist mit den Händen in den Hosentaschen, mit klobigen Schuhen und pfeifenrauchend.
Es sind regelrechte Galerien hier unter den Felsen. Die "Menü"karte zeigt verschiedene Fische, Barramundi, Flusswelse, "cheeky mullets" mit halbabgetrenntem Kopf, daneben Wallabies, Schildkröten, Krokodile... in einer Ecke, etwas versteckt, ist auch die lokale Variante des Kamasutras zu finden. In dieser Galerie wurde auch übereinandergemalt und an einer Stelle sieht man die Umrisse von Händen in Ockerfarbe. Ein "Spiel"platz zum Ausprobieren von verschiedenen Stilen und Sujets. Andere Gemälde erzählen Geschichten, und sie gelten immer noch als "sacred sites", denn sie erklären in der Mythologie der Aborigines, wie das Land entstanden ist und oft enthalten sie auch eine Moral, "stiehl nicht die Jagdbeute deines Nachbarn, sonst geschieht Schlimmes" zum Beispiel.
An den unzugänglichsten Stellen sind die Bilder der Mimi, Geister, die durch kleinste Felsritzen dorthin gelangten, um sie zu malen. (Die prosaische Erklärung ist, dass hier früher ein hoher Baum stand, der das Malen erlaubte.) Ob das gute oder böse Geister waren, habe ich nicht herausgefunden, vielleicht ist das auch nicht so klar, auf jeden Fall sagt die Tradition, dass sie die Menschen dazu angestiftet haben, ebenfalls die Felsen zu bemalen an den zugänglicheren Stellen.
Mir gefallen die verschiedenen Rot- und Ockertöne der Bilder (eine Herausforderung für die Kameras) und die lebhaften Darstellungen. Die Landschaft hier ist ebenfalls eindrücklich, vom Gipfel des Hügels schweift der Blick über Wald, Schwemmlandschaften und das escarpment, diese Schichtstufe, die sich hier über Kilometer um Kilometer durch die Landschaft zieht bis weit in den Süden zur Kathrine Gorge (Schlucht) und Kakadu trennt von Arnhemland, einem abgelegenen Gebiet, wo die Aborigines immer noch ihren traditionellen Lebensstil pflegen können.






























Ein Aborigines-Jäger



"cheeky mullet"


Freitag, 20. September 2013

Hunter Valley

Vor ein paar Wochen sind wir mit der Exchange Teacher's league ins Hunter Valley gefahren. Es liegt etwa drei Stunden Fahrzeit nördlich von Sydney und ist eines der ältesten Weingebiete Australiens. Nicht ganz so berühmt wie Barossa Valley bei Adelaide, das vor allem für seine Rotweine bekannt ist.
Um neun Uhr morgens begann die erste Degustation, etwas ungewohnt, zu dieser frühen Zeit Weiss- und Rotweine zu probieren.
Das Weingut, Petersens, liegt in schöner Lage inmitten der Rebstöcke. Hügel im Hintergrund, alles blüht, obwohl es meteorologisch gesehen erst Vorfrühling ist. Die Weine, die wir hier und in anderen Weinkellern probieren: Bei den Weissen Sauvignon Blancs (keiner schmeckt mir wirklich), Chardonnays (zum Teil gut) – ich glaube, Weissweine sind die Stärke des Hunter Valleys. Rote hat es Shiraz, Pinot Noir uind Merlot (sie schmecken hier am besten, die anderen sind nicht mit den s üdaustralischen Roten vergleichbar).
Einige Weingüter haben Spezialitäten, Riesling etwa, war hier offenbar vor Jahrzehnten Mode, schlechte Qualität und ist deshalb jetzt seltener (und gut, wenn angebaut). Pinot Grigio geht in geeigneter Lage auch, Gewürztraminer hat es in einem Keller auch (hat sich nicht durchgesetzt, weil das hier niemand aussprechen kann...) Bei den Roten Nebbiolo und im dritten Weingut auch einen Tempranillo (aber da hatten wir schon so viel verschiedene Sorten probiert, dass sich die Unterschiede verwischten).
Gewisse Weinsorten schmecken hier nirgends, also der Moscato ist für meinen Geschmack überall mit Alkohol versetzter Kindersirup. (Um ehrlich zu sein. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in Italien zum letztenmal einen ansprechenden Moscato getrunken habe.) Die Süssweine: in englischsprachigen Ländern machen sie ja gerne Eiswein, das geht hier nicht, es fehlen die Frostnächte, also produziert man aus den Trauben mit der Edelfäule Botrytis (ich glaube, so heisst das) Dessertweine. Also ich finde, sie schmecken alle ein wenig künstlich.
Die Nachfrage nach den Hunter-Valley-Weinen ist grösser als das Angebot, und so kaufen die Weinkellereien zum Teil Trauben in South Australia und produzieren Weine (vor allem rote) aus Trauben von dort und schenken sie zur Degustation aus. Also das ist irgendwie auch seltsam, wenn ich hier bin, möchte ich die Weine aus der Gegend probieren.
Interessant ist es, wenn die Person, die ausschenkt, auch Hintergrund-Informationen geben kann. Zum Beispiel erfahre ich, dass der Film "Sideways" die Trinkgewohnheiten in den USA und offenbar auch in Australien geändert hat. Die Pinot Noir-Verkaufszahlen sind hochgeschnellt, und Merlot ist weniger beliebt. Also ich habe die Meinungen der Hauptfiguren über Wein in dieser Filmkomödie über Degustationen in den kalifornischen Weingebieten so wenig ernst genommen wie ihr übriges Verhalten...
Ein bisschen sind die Weindegustationen ja auch Hochstapelei, vieles kann ich schmecken, Cassis, Brombeeren, Kiwis, Zitronen, einmal liege ich richtig, als ich sage, dass der Rotwein aus dem Eichenfass (barrique) kommt. Aber zum Teil sind die blumigen Weinbeschreibungen süffiger als die Tropfen, die nachher folgen. Sehr schwierig finde ich es, Rotweine zu beurteilen, die jetzt noch zu jung zum Trinken sind und ein paar Jahre gelagert werden müssen. Aber wie entwickeln sie sich in dieser Zeit? Das ist Roulette mit Flaschen...
Im Unterschied zu den Profis spucken wir den degustierten Wein nicht wieder aus. Aber es bewährt sich, nicht jedes der angebotenen Gläschen ganz zu leeren. Wenn der Inhalt nicht mundet, wandert er in den grossen Kübel in der Mitte.


Wieder sind Ferien und es gibt einen Unterbruch in meinem Blog. In den nächsten zwei Wochen reise ich von Adelaide im Süden Australiens durch den Outback via Uluru und Alice Springs nach Darwin im Norden.

Montag, 9. September 2013

Wahlen

Fast seit ich hier bin, ist Wahlkampf. Die Schule hatte kaum begonnen, als die damalige Labor-Premierministerin Julia Gilliard Ende Januar den Wahltermin für den 14. September ankündigte. Ende Juni kam es zu einer Palastrevolution, sie wurde durch ihren Vorgänger Kevin Rudd (aus der gleichen Partei) ersetzt. Der Wahltermin war damit aufgeschoben (hier kann der Premierminister entscheiden, wann gewählt werden soll – endlos kann er den Termin aber nicht hinausschieben) und erst ein paar Wochen später wurde die Wahl auf den 7. September festgesetzt.
Es gibt hier wie in vielen Ländern zwei Kammern. Das Repräsentantenhaus  (150  Sitze) wird in einem Majorzsystem gewählt. The winner takes all, oder fast. Brighton-le-sands zum Beispiel gehört zum Wahlbezirk Barton. Wer hier wohnt, wählt eine Kandidatin oder einen Kandidaten. Der Vertreter der Labor hatte heute Morgen  38  Stimmen Vorsprung. (Eine der acht Sitze, die in der Zeitung noch "undecided" sind.) Diese Stimmen sind aber nicht alle für ihn abgegeben worden, die kleinen Parteien, die in den Wahlen zum Repräsentantenhaus keine Chancen haben, geben Preferences ab. Wenn ich also zum Beispiel die Australian Sex Party wähle (die gibt es wirklich), kann es durchaus sein, dass meine Stimme am Schluss beim Labor-Kandidaten landet. (Hingegen enden die Stimmen für die Stable Population Party wohl eher bei den Liberalen / Nationalen).
Für die kleine Kammer, den Senat, ist das Ganze noch komplizierter. Die Einwohner von New South Wales wählen zwölf Senatoren. Man kann einer Partei die Stimme geben (above the line) oder man hat die Möglichkeit, sämtliche Kandidatinnen und Kandidaten durchzunummerieren (below the line): Nummer  1  möchte ich am liebsten, und so weiter. Gerade wenn die Zahl der Möchtegerne-Senatorinnen und Senatoren gross ist, etwas mühsam. Und auch hier gibt es wieder Preferences. Auch die grossen Parteien geben sie ab. Wenn einer ihrer Senatoren mehr als die nötigen Stimmen erhält, zählen diese Stimmen also eventuell für eine kleine Partei. Das hat zur Folge, dass Splittergruppen sehr wahrscheinlich im Senat besser vertreten sein werden als im Repräsentantenhaus.
Auf jeden Fall, das Ganze ist so kompliziert, dass niemand es durchschaut (für den Senat liegen die Zahlen noch nicht vor) und dass es schwierig ist, einzuschätzen, wer von der abgegebenen Stimme am Schluss wirklich profitiert.
Verloren hat die Wahl eine unbeliebte Partei mit einem beliebten Premierminister. Korruptionsskandale unter den Vertretern der "unions" und Machtkämpfe innerhalb der Partei haben zum schlechtesten Labor-Wahlergebnis seit der Grossen Depression geführt. Die Murdoch-Presse (Schlagzeile des Daily Telegraph: Kick this mob out) hat das ihre dazu beigetragen.
Der Wahlsieger, Tony Abbott: Nicht wirklich beliebt, schwierig einzuschätzen. Gerade im Bildungsbereich befürchtet man Sparmassnahmen, er will die Staatsverschuldung abbauen (im Vergleich mit europäischen Ländern nicht sehr hoch). Er hat eine Gabe, in Fettnäpfchen zu treten: er betont zum Beispiel den "sex appeal" einer Kandidatin, statt über ihre politische Einstellung zu sprechen. In Syrien kämpfen "baddies" gegen "baddies". Und zum Schluss, da kann man nur schwer widersprechen: "No man is the suppository of wisdom" (auf deutsch etwa: Kein Mensch ist das Zäpfchen der Weisheit). Das hat natürlich zu unzähligen Kommentaren über und unter der Gürtellinie geführt. Ganz erfrischend in einem Wahlkampf mit viel Verbal-Diarrhöe...


Donnerstag, 22. August 2013

Whitsundays

Von Airlie Beach aus habe ich einen Ausflug auf einem Katamaran ins Archipel der Whitsundays gemacht. Zwei Nächte haben wir auf dem Boot verbracht. Meist wird mit Motorunterstützung gesegelt, weil die Zeit sonst nicht reicht, alle geplanten Ziele anzusegeln.
Neben den Schnorchel- und Tauchplätzen besuchen wir auch den berühmten Whitehaven Beach. Wir ankern in der Nacht auf der anderen Seite der Insel und am Morgen erreichen wir die Küste mit dem Beiboot. Ein Pfad führt zu einem Aussichtspunkt. Vorher sind wir im Dschungel und bekommen einen Eindruck davon, wie schwierig es für die ersten Entdecker hier war, einen Überblick zu bekommen über eine neuentdeckte Insel. Plötzlich öffnet sich der Wald und gibt die Sicht frei über Strand, Meer und Nachbarsinseln.
Der weisse Strand Whitehaven Beach ist wirklich sehr schön. Er verlockt zum Schwimmen, Purzelbaum-Schlagen, entspannt in der Sonne liegen, und ein paar Franzosen und Engländer spielen eine kurze Rugby-Partie. Allein sind wir hier aber nicht, andere Boote haben die gleiche Bucht wie wir angesteuert, die kleineren haben direkt in der Nähe des weissen Strandes geankert.
Neben dem Strandausflug und dem Schnorcheln motoren / segeln wir rund um die Inseln und sonnen uns auf Deck, einmal beobachten wir Seeadler. Die Nächte auf dem Boot sind eindrücklich, kein Lärm, nur der Wellenschlag ist zu hören. Zuerst brennt noch das Mastlicht und zieht Fische an und mit ihnen auch einen Delphin, später ist es ganz dunkel und nur der südliche Sternhimmel ist zu sehen. Ich kann mich immer noch nicht orientieren, ausser dem Kreuz des Südens finde ich keine vertraute Konstellation, die Sternkarte auf dem Laptop des Kapitäns hilft auch nicht weiter, zu viele Details sind zu sehen und es fehlt die Übersicht.
Die anderen Reisende auf dem Boot sind meist halb so alt wie ich oder noch jünger, für sie ist die nächtliche Party das wichtigste auf diesem Ausflug, mich stört das nicht, in meiner Kajüte schlafe ich tief. Sie trinken ihren "goon", billigen Wein in Plasticbeuteln, und spielen ihre Trinkspiele. Der Kapitän sagt am nächsten Tag nur trocken, er kenne ein paar noch lärmigere Trinkspiele... Dafür haben sie dann am Morgen bei den kühleren Temperaturen Mühe, ins Wasser zu kommen, und verpassen verkatert die besten Schnorchelgründe.
Captain Cook hat die Inseln an einem Whitsunday Islands, an einem Pfingstsonntag, entdeckt, daher der Name. Seltsamerweise heisst eine von ihnen den Pentecoste Island, etwas viel Pfingsten für meinen Geschmack. Und eine andere hat den Namen Hayman Island, wegen dem Ausruf des jamaikanischen Mastburschen, "Hey man, an island!"


Unter Segeln






























Abendstimmung auf dem Boot